Jugendkulturpreis für die Big Band der Bismarckschule Elmshorn

Am 17. Juni 2023 habe ich der Big Band der Bismarckschule Elmshorn den ersten Jugendkulturpreis der Stadt Elmshorn verliehen.

Herzlichen Glückwunsch!

Gesprochen haben außer mir: Anna Haentjens als Juryvorsitzende, Per Olaf Reich, der uns als Schulleiter herzlich in der Aula der Bismarckschule begrüßt hat, Matthias Wichmann, der eine launige Laudatio hielt. Er schlug den Bogen zu seinen ersten Tagen an der Bismarckschule, als eine Big Band undenkbar gewesen ist. Erst mit dem Generationswechsel der Lehrkräfte kam dann so langsam Schwung in die Sache. Der heutige Musikunterricht sei mit seiner eigenen Schulerfahrung und mit der ersten Zeit an der Bismarckschule überhaupt nicht zu vergleichen. Er gratulierte von ganzem Herzen.

Lasse Fankhähnel – der aktuelle Leiter der Big Band – bedankte sich für den Preis.

Die Big Band umrahmte die Preisverleihung selbst mit musikalischen Beiträgen höchsten Niveaus.

Und hier mein Redetext:

Warum auch immer, es gibt sie ganz einfach:

Die Rivalität zwischen Pinneberg und Elmshorn.

Da existiert auch so mancher nicht gerade wertschätzender Spruch oder Witz.

Was uns in Elmshorn schon lange ein Dorn im Auge war, ist der Kulturpreis des Kreises Pinneberg.

Eigentlich ist das auch nicht ganz richtig.

Der Preis selbst ist schon in Ordnung, aber dass ihn bis vor einigen Jahrzehnten niemand aus Elmshorn erhalten hat, das hat uns gewurmt.

Schließlich ist doch unsere Stadt das heimliche Kulturzentrum des Kreises Pinneberg, oder etwa nicht?

Mit über 80 Kulturschaffenden – Einzelpersonen bis hin zu großen Gruppen jeglicher kultureller Genres – kann sich unsere Kulturszene mehr als sehen lassen.

Manch Städte – sogar Großstädte – sind neidisch auf uns.

Zum Beispiel auf unseren Skulpturengarten. Darauf hat z.B. Hannover ein Auge geworfen.

Es musste unbedingt etwas eigenes her.

So eine Art Diplom oder Urkunde, oder eben ein richtiger Preis.

Der Kulturausschuss hat folgerichtig den Kulturpreis der Stadt Elmshorn aus der Taufe gehoben.

Vor 20 Jahren – im Jahr 2002 – wurde er zum ersten Mal verliehen, und zwar an den Künstler Anders Petersen.

Die Latte zur Verleihung des Kulturpreises liegt hoch. Er wird alle zwei Jahre als Anerkennung für außergewöhnliche, künstlerische Leistungen auf verschiedenen kulturellen Gebieten vergeben.

So haben wir in der Vergangenheit Preisträgerschaften für besondere Verdienste in den Bereichen der bildenden Kunst, des Theaters, der Fotografie, der Musik und Literatur vergeben, die durch die Kulturschaffenden oder durch ihre Werke eng mit Elmshorn verbunden waren und es bis heute sind.

Jede und jeder kann jemand für den Elmshorner Kulturpreis vorschlagen, solange sie oder er den Vergaberichtlinien genügt.

Vorgeschlagen wurden Menschen – in einem Fall sogar ein ganzes Orchester – die schon lange kulturell unterwegs sind.

Warum ist eigentlich damals niemand auf die Idee gekommen, dass es mindestens genau so viele Jüngere gibt, die einen Preis verdienten?

Ich weiß es nicht.

Tatsache ist es aber, dass wir in der Jury zunehmend auch solche Vorschläge bekamen, die wir nicht honorieren konnten.

Die Jury ist sich nun mal darüber einig, dass für die Vergabe des Elmshorner Kulturpreises eine kontinuierliche Leistung über einen längeren Zeitraum hinweg mit ausschlaggebend sein sollte.

Jüngere Menschen können aufgrund ihres Lebensalters diese Voraussetzung logischerweise nicht erfüllen.

So kam es 2018 zu einem Antrag einer großen Fraktion, zusätzlich einen Jugend-Kulturpreis auszuloben, der im Wechsel mit dem Kulturpreis ebenfalls alle zwei Jahre vergeben werden soll.

Darüber wurde im Kulturausschuss beraten, und neben dem Jugend-Kulturpreis auch noch ein Dritter, der Nachwuchspreis erfunden.

Der Unterschied liegt einfach darin, dass der Jugend-Kulturpreis für Menschen bis 25 Jahre, der Nachwuchspreis für noch Jüngere bis 18 Jahre verliehen werden soll.

Das Stadtverordnetenkolelgium ist dem Beschluss des Kulturausschusses im Jahr 2019 gefolgt – und dann kam die Pandemie.

Nichts ging mehr.

So kommt es also, dass wir heute – erst vier Jahre nach dem Startschuss – den ersten Jugend-Kulturpreis für das Jahr 2021 mit einer Anerkennungssumme von 1.000 Euro vergeben können.

Im Frühsommer 2021 wählte eine 17-köpfige Jury aus musikalischen Fachleuten, Vertreter*innen der politischen Fraktionen und der Schulen aus den vielfältig eingereichten Vorschlägen den Preisträger – die Big Band der Bismarckschule für den Jugendkulturpreis, und Victoria Jürgens für den Nachwuchspreis.

Ob diese drei bedeutenden Preise der Grund für den Kreis Pinneberg waren, deren Kreiskulturpreis in Drosteipreis umzubenennen, weiß ich nicht.

Auf jeden Fall aber hat Elmshorn nun drei Möglichkeiten, herausragende Kulturschaffende quasi von der Wiege bis ins hohe Alter zu ehren.

Den Nachwuchspreis 2021 konnten wir Vicky bereits am letzten Samstag im Haus 13 verleihen.

Und heute nun soll endlich auch die Bigband der Bismarckschule ihren Jugendkulturpreis 2021 bekommen.

Ich bin ein bißchen neidisch.

Nein, nicht auf den Preis, aber darauf, dass die Bismarckschule eine Bigband hat.

Zu meiner Zeit auf der EBS gab es so etwas leider nicht. Das hätte ich gerne gehabt.

Hier aber, lieber Herr Reich, gibt es eine richtig gute Band.

Sie wurde im Schuljahr 2008/2009 durch den Musiklehrer André Brendemühl gegründet, der leider viel zu früh verstorben ist.

Ihm gebührt an dieser Stelle nachträglich ein besonderer Dank, den ich ihm gerne persönlich ausgesprochen hätte.

Durch die Unterstützung von Lehrkräften der Musikschule Elmshorn, konnte das musikalische Niveau der Musizierenden enorm wachsen.

André Brendemühl hatte das Ziel, eines Tages aus der Big Band und den anderen Instrumentalgruppen der Bismarckschule, ein Elmshorner Jugend-Sinfonieorchester zu formen, wie er mir mal erzählte.

Ich bin sehr dankbar – da spreche ich sicher für alle hier im Saal – dass Lasse Fankhähnel die großartige Arbeit von André Brendemühl fortsetzt.

Die Big Band sorgt seit ihrer Gründung für Furore.

Der erste Auftritt fand bereits 2009 bei der Landesausgabe von „Schulen musizieren“ statt.

Schnell etablierte sie sich als feste, auch überregional wirkende Formation mit Auftritten bei Veranstaltungen wie etwa der „Internationalen Gartenschau“, der Bundesausgabe „Schulen musizieren“ oder der Landesbegegnung „Jugend jazzt“, wo die Big Band als beste Gruppe in ihrer Altersklasse ausgezeichnet wurde.

Es fanden Auftritte in der Bismarckschule, auf dem Festival „Jazz ‚n‘ Roses“ und gemeinsame Auftritte mit einem Ensemble des Ludwig-Meyn-Gymnasiums aus Uetersen statt.

Die Big Band präsentierte eine Inszenierung der „Rocky Horror Picture Show“ und eine Hommage an die Filmfigur „James Bond“ im Stile eines Musicals.

Dabei wurde immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die Besetzungen hochwertige Adaptionen von bekannten Titeln mit einer jeweils eigenen Note umzusetzen vermögen.

Auch während der Elmshorn Gala im Saalbau konnten wir die Big Band erleben.

Ich geb ´ s zu: ich würde ja schon mal gerne „New York, New York“ oder auch „My Way“ mit Euch singen.

Aber natürlich habt ihr noch viel mehr drauf.

Nach zwei langen Jahren der eingeschränkten Möglichkeiten durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie erleben wir heute Kostproben aus dem Repertoire.

Ich danke der Jury und ihrer Vorsitzenden – dir, liebe Anna – für ihre gute Wahl.

Der Big Band der Bismarckschule gratuliere ich zum Jugend-Kulturpreis der Stadt Elmshorn 2021 von ganzem Herzen.

Gegen das Vergessen – Holocaust Gedenktag 2021

Mein Redetext:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Wir treffen uns heute nicht wie gewohnt im Saalbau der Waldorfschule um zu erleben, wie Schülerinnen und Schüler die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und den damit verbundenen Holocaust verarbeiten. In den letzten Jahren haben wir sehr bewegende Veranstaltungen erleben können, die noch lange nachwirkten. Pandemiebedingt haben die Verantwortlichen aus der Politik, dem Rathaus, aus den weiterführenden Schulen und aus der Kultur diese Veranstaltung auf den 8. Mai, den Tag der Befreiung von den Nationalsozialisten verlegen müssen.

Mein Dank geht an den VVN – BdA, an ver.di, an die Linke und an die DKP, die heute zu einer Kundgebung am Alten Markt aufgerufen haben.

Seit 25 Jahren gedenken wir der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar.

Dieser Tag ist als Gedenktag den Opfern des Nationalsozialismus gewidmet.

In Elmshorn trägt der Tag den Zusatz „Gegen das Vergessen“.

Auch ein Vierteljahrhundert nach der Initiative des damaligen Bundespräsidenten, Roman Herzog, müssen wir uns fragen lassen, ob es in den zurückliegenden Jahrzehnten an Aufklärung, Erinnerung und Gedenken gefehlt hat?

An Universitäten, in Schulen, Gedenkstätten, Medien, in kirchlichen, gewerkschaftlichen und politischen Gruppierungen wird kontinuierlich erinnert, aufgeklärt und verarbeitet.

Und ja: wir müssen immer und immer wieder an die Gräueltaten der Nazis, an den Holocaust erinnern.

Zeitzeugen gibt es immer weniger.

Damit die Erinnerung auch in der Zukunft lebendig bleibt, braucht es uns, die nicht nachlassen. Auf tagesschau.de war heute zu lesen:

„Die zweite Generation, die dritte Generation – und nicht nur diejenigen, die von Überlebenden abstammen – jeder hat die Verantwortung, diese Erinnerung zu nutzen, der Geschichte gegenüber verantwortlich zu handeln und für das einzustehen, was richtig ist.“

An dieser Stelle wiederhole ich ein paar Worte, die ich schon einmal während einer Veranstaltung gegen das Vergessen in der Waldorfschule gewählt habe, und die noch genauso aktuell sind wie 2019:

„Heute gedenken wir der Befreiung von Auschwitz vor 76 Jahren. Das tun wir nicht als persönlich Schuldige.

Aber aus der Schuld heraus, die Deutsche in den zwölf Jahren der NS-Diktatur auf sich geladen haben, erwächst uns nachfolgenden Generationen eine besondere Verantwortung. Uns allen.

Nicht weil Geschichte sich wiederholt – das tut sie nie -, sondern weil an Auschwitz einfach gar nichts normal ist.

Geschichte verläuft weder zufällig noch zwangsläufig. Was heute unsere gemeinsame Vergangenheit ist, haben Menschen früher als ihre eigene Gegenwart gestaltet, im Guten wie im Bösen.

Am 30. Januar jährt sich der Tag der Machtergreifung von Adolf Hitler zum 89. Mal.

Binnen kurzem gelang den Nationalsozialisten die Zerstörung der ersten Deutschen Demokratie. Nun konnten sie ihre mörderische Rassenideologie politisch umsetzen – auch in Elmshorn.

Das darf sich niemals wiederholen!

Unsere – die Elmshorner Geschichte – ist unter anderem in den Beiträgen zur Elmshorner Geschichte eindrucksvoll dokumentiert. Der Band – Polizei in Elmshorn – zeugt eindrücklich auch von der Gleichschaltung öffentlicher Ämter, die schließlich auch die Reichspogromnacht ermöglichte.

Aus Elmshorn sind damals nicht nur unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, sondern auch Sozialdemokraten und Kommunisten, Homosexuelle, Sinti und Roma, Jehovas Zeugen und viele weitere Andersdenkende in die Konzentrationslager verschleppt worden.

Eines davon war das KZ Esterwegen, in dem das vielleicht vielen bekannte Lied von den Moorsoldaten entstand.

Elmshorn hat – vielleicht gerade auch wegen der Ereignisse in der NS-Zeit – eine sehr lange Tradition im „Kampf gegen Zwang und Unterdrückung“ und wir sind stolz auf die Integration anders Denkender.

Wir sind stolz darauf, dass hier am 6. Mai 1945 der Nazi-Bürgermeister von einem Bündnis der Antifaschisten unter dem Sozialdemokraten Erich Arp und dem Kommunisten Arthur Geissler eigenständig abgesetzt wurde, bevor die britische Armee in die Stadt einzog.

Dreimal haben wir in einem breiten Bündnis aus der Bevölkerung heraus Neonazis die Stirn geboten. Das war Anfang der 2000er Jahre.“

Ich möchte noch auf ein paar aktuelle Ereignisse eingehen.

Uns muss es darum gehen, den rechten Gruppierungen entschieden entgegenzutreten, mit demokratischen Mitteln.

In Thüringen wurde versucht mit den Stimmen der AfD einen Ministerpräsidenten der FDP einzusetzen.

In Sachsen-Anhalt gelang es mit den Stimmen der AfD die Erhöhung des Rundfunkbeitrages zu kippen.

Beides Ereignisse der letzten Zeit, bei denen die konservativen Kräfte offenbar vergessen haben, dass sie es mit dem Wolf im Schafspelz zu tun haben.

Vergessen dürfen wir auch nicht die Ereignisse in Halle, die rechte Hetze gegen Plakate unseres Weihnachtsmarktes und die damit verbundene Bedrohung unseres Bürgermeisters.

Bei diesen Beispielen will ich es für heute belassen.

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, eines Tages keinen Grund mehr zu haben auf derartige Ereignisse eingehen zu müssen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, die Erinnerung aber bleibt.