{"id":721,"date":"2025-01-30T14:57:29","date_gmt":"2025-01-30T14:57:29","guid":{"rendered":"https:\/\/thorsten-mann-raudies.de\/?p=721"},"modified":"2025-01-30T14:57:29","modified_gmt":"2025-01-30T14:57:29","slug":"gegen-das-vergessen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/thorsten-mann-raudies.de\/?p=721","title":{"rendered":"Gegen das Vergessen"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte heute die Ehre in der Vormittagsvorstellung der Veranstaltung &#8222;Gegen das Vergessen&#8220; reden zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/thorsten-mann-raudies.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Faltblatt_Gegen-das-Vergessen_2025_A5_hoch_2.pdf\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-722\" src=\"http:\/\/thorsten-mann-raudies.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Faltblatt_Gegen-das-Vergessen_2025_A5_hoch_2_Seite_2-300x142.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"142\" srcset=\"https:\/\/thorsten-mann-raudies.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Faltblatt_Gegen-das-Vergessen_2025_A5_hoch_2_Seite_2-300x142.jpg 300w, https:\/\/thorsten-mann-raudies.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Faltblatt_Gegen-das-Vergessen_2025_A5_hoch_2_Seite_2-1024x484.jpg 1024w, https:\/\/thorsten-mann-raudies.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Faltblatt_Gegen-das-Vergessen_2025_A5_hoch_2_Seite_2-768x363.jpg 768w, https:\/\/thorsten-mann-raudies.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Faltblatt_Gegen-das-Vergessen_2025_A5_hoch_2_Seite_2-1536x727.jpg 1536w, https:\/\/thorsten-mann-raudies.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Faltblatt_Gegen-das-Vergessen_2025_A5_hoch_2_Seite_2-2048x969.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Klick mal<\/a><\/p>\n<p>Hier der Redetext:<\/p>\n<p>heute sind wir hier, um gemeinsam innezuhalten \u2013 und zwar aus einem wirklich wichtigen Grund.\u00a0Der 27. Januar vor 80 Jahren war ein Tag, der die Welt ver\u00e4ndert hat.\u00a0An diesem Tag wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit.\u00a0Ein Ort, an dem Millionen Menschen auf grausamste Weise gefoltert und ermordet wurden, nur weil sie J\u00fcdinnen und Juden, Sintize und Sinti, Homosexuelle, politische Gegner waren, oder sonst wie nicht in die Nazi-Ideologie passten.\u00a0Dieser Tag steht f\u00fcr das Ende von unfassbarem Leid \u2013 aber er erinnert uns auch daran, dass so etwas nie wieder passieren darf.<\/p>\n<p>Um es einmal deutlicher zu machen, was das bedeutete, m\u00f6chte ich einen kleinen Ausschnitt aus dem Zeugenbericht des j\u00fcdischen Arztes Miklos Nyiszli lesen.\u00a0Als Pathologe arbeitete er unter Josef Mengele im Krematorium 1 im sogenannten Sonderkommando, wo er das unvorstellbare Leid der Opfer dokumentierte.\u00a0Nyiszli, traf nach dem Krieg seine Familie wieder und wurde zu einem der wichtigsten Zeugen des Holocaust, u.a. im IG-Farben Prozess.\u00a0H\u00f6ren wir einen Ausschnitt aus seinem Bericht \u201eIm Jenseits der Menschlichkeit\u201c.<\/p>\n<blockquote><p><em>Die Deportierten mussten sich entkleiden und wurden dann in einen Saal gepfercht, der bis zu 3000 Menschen fasste.\u00a0<\/em><em>Ein scharfer Befehl: \u00bbSS und Sonderkommando raus!\u00ab\u00a0<\/em><em>Nachdem drau\u00dfen festgestellt ist, dass niemand fehlt, werden die T\u00fcren verschlossen, wird das Licht von au\u00dfen gel\u00f6scht.\u00a0<\/em><em>Im gleichen Augenblick h\u00f6rt man ein Auto vorfahren.\u00a0<\/em><em>Der Wagen mit dem Roten Kreuz bremst.\u00a0<\/em><em>Ein SS-Offizier und ein Sondergruppen-Scharf\u00fchrer steigen aus.\u00a0<\/em><em>Der Scharf\u00fchrer hat vier gr\u00fcne Blechdosen in der Hand.\u00a0<\/em><em>Die beiden betreten die Rasenfl\u00e4che \u00fcber der Halle, auf der im Abstand von drei\u00dfig Metern Betonsockel stehen.\u00a0<\/em><em>Beim ersten Sockel legen sie Gasmasken an.\u00a0<\/em><em>Dann heben sie den Deckel ab, brechen den Patentverschluss der Blechdose auf und sch\u00fctten den Inhalt, eine violette, br\u00f6ckelige Masse, in die \u00d6ffnung: Zyklon.\u00a0<\/em><em>Das Zyklon entwickelt Gas, sobald es mit Luft in Ber\u00fchrung kommt.\u00a0<\/em><em>Es f\u00e4llt durch die Blechrohre in den unterirdischen Raum.\u00a0<\/em><em>Das Gas entweicht sofort durch die L\u00f6cher der S\u00e4ulen und f\u00fcllt den Raum unten in Sekundenschnelle.\u00a0<\/em><em>Zyklon t\u00f6tet zuverl\u00e4ssig innerhalb von f\u00fcnf Minuten.\u00a0<\/em><em>Die Gas-Scharfrichter warten noch weitere f\u00fcnf Minuten, um ihrer Sache ganz sicher zu sein.\u00a0<\/em><em>Sie z\u00fcnden sich Zigaretten an und steigen dann wieder in ihr Auto.\u00a0<\/em><em>Fast dreitausend unschuldige Menschen haben sie innerhalb von wenigen Minuten umgebracht.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Wir sagen: Nie wieder!\u00a0Und heute, am 30. Januar, denken wir an den Anfang dieser dunklen Zeit.\u00a0Genau heute vor 92 Jahren wurde Adolf Hitler Reichskanzler.\u00a0Damit begann die Beseitigung der Demokratie.\u00a0Das passierte Schritt f\u00fcr Schritt.\u00a0Erst ein bisschen Ausgrenzung hier, dann ein bisschen Schweigen da \u2013 und irgendwann gab es keinen Widerstand mehr.\u00a0Nur anderthalb Jahre nach der sogenannten Macht\u00fcbernahme durch die Nazis war Deutschland eine Diktatur.<\/p>\n<p>So etwas darf nie wieder passieren und wir alle d\u00fcrfen das nicht zulassen.<\/p>\n<p>Ich will euch ein Zitat von Martin Niem\u00f6ller mitgeben.\u00a0Niem\u00f6ller war ein evangelischer Pastor, der selbst erst sp\u00e4t begriffen hat, wie gef\u00e4hrlich das Nazi-Regime wirklich war.\u00a0Am Ende hat er sich gegen die Nazis gestellt und wurde daf\u00fcr ins Konzentrationslager Buchenwald gesperrt.\u00a0Mit viel Gl\u00fcck \u00fcberlebte er.\u00a0Martin Niem\u00f6ller sagte:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eAls die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.<\/em><\/p>\n<p><em>Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.<\/em><\/p>\n<p><em>Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.<\/em><\/p>\n<p><em>Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist eine wichtige Lektion: Schweigen bringt uns nicht weiter.\u00a0Wegsehen bringt uns nicht weiter.\u00a0Nur gemeinsam, wenn wir laut sind, wenn wir Haltung zeigen, k\u00f6nnen wir verhindern, dass Hass und Gewalt wieder Platz finden.<\/p>\n<p>Denn, wie es der ehemalige Bundespr\u00e4sident Richard von Weizs\u00e4cker 1985 gesagt hat:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eWer aber vor der Vergangenheit die Augen verschlie\u00dft, wird blind f\u00fcr die Gegenwart.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Und mal ehrlich: Wenn wir die Augen aufmachen, sehen wir doch, dass der Hass schon wieder da ist. Oder war er vielleicht nie wirklich weg?<\/p>\n<p>Menschen, die sich z.B. daf\u00fcr stark machen, Migrantinnen und Migranten aus Deutschland einfach so auszuweisen, zu deportieren, obwohl sie hier integriert sind und sich nichts haben zu Schulden kommen lassen, geben vor, ihre Meinung sei Recht \u2013 dabei predigen sie nichts als Spaltung und Gewalt.<\/p>\n<p>Sie stellen sich damit auch gegen unser Grundgesetz in dem es ganz zu Anfang hei\u00dft:<\/p>\n<p><strong><em>\u201eDie W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar!\u201c. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen so etwas nicht zulassen!\u00a0Nie wieder!\u00a0Auschwitz ist ein Teil unserer Geschichte.<\/p>\n<p>Und wie Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck es 2015 gesagt hat:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eEs gibt keine deutsche Identit\u00e4t ohne Auschwitz.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das hei\u00dft nicht, dass wir ewig in der Vergangenheit leben sollen.\u00a0Es hei\u00dft, dass wir Verantwortung haben \u2013 hier und jetzt.<\/p>\n<p>Gerade deshalb d\u00fcrfen wir nicht schweigen, wenn Leute wie ein namentlich bekannter Mitarbeiter zweier Landtagsabgeordneter der rechtsextremen Fraktion im Baden-W\u00fcrttembergischen Landtag, in einem Facebook-Chat den menschenverachtenden Spruch raushaut:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eImmerhin haben wir jetzt so viele Ausl\u00e4nder im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen w\u00fcrde.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Solche Aussagen sind einfach nur abscheulich.\u00a0Wer das ernst meint oder feiert, hat nicht verstanden, was Verantwortung und Menschlichkeit bedeuten.\u00a0Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir uns gegen solchen Hass stellen \u2013 mit aller Entschlossenheit.<\/p>\n<p>Ihr habt das vergangene Woche gezeigt.\u00a0Am 24. Januar gab es in Elmshorn eine Demonstration f\u00fcr Demokratie \u2013 und viele von euch waren dabei.\u00a0Das war stark.\u00a0Ihr habt gezeigt, dass ihr f\u00fcr die Werte einsteht, die wirklich z\u00e4hlen:<\/p>\n<p><strong><em>Respekt, Toleranz, Freiheit.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Und jetzt kommt der n\u00e4chste Schritt:\u00a0Am 23. Februar sind Wahlen.\u00a0Wenn ihr w\u00e4hlen d\u00fcrft, dann geht hin!\u00a0Jede Stimme z\u00e4hlt \u2013 und eure erst recht.<\/p>\n<p>Eines sollte uns allen klar sein:\u00a0\u201eNie wieder\u201c hei\u00dft nicht nur, sich an die Vergangenheit zu erinnern.\u00a0Es hei\u00dft vor allem, im Hier und Jetzt aktiv zu sein.\u00a0\u201eNie wieder ist jetzt.\u201c<\/p>\n<p>Zum Schluss m\u00f6chte ich euch allen Danke sagen.\u00a0Danke an euch, liebe Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, dass ihr so klar Haltung zeigt.\u00a0Danke an die Lehrkr\u00e4fte, die euch unterst\u00fctzen.\u00a0Ein riesiges Dankesch\u00f6n an:\u00a0Anna Haentjens, die k\u00fcnstlerische Leitung,\u00a0die Studio-AG der KGSE um Jens Bernhard,\u00a0Michael Noch von der AG Stolpersteine in Elmshorn\u00a0und Frau Sommer von der Freien Waldorfschule Elmshorn.\u00a0Ihr alle habt daf\u00fcr gesorgt, dass diese Veranstaltung nicht nur eine Gedenkminute ist, sondern ein Statement.<\/p>\n<p>Lasst uns zum Abschluss das Lied \u201eVon guten M\u00e4chten treu und still umgeben\u201c singen.<\/p>\n<p>Dietrich Bonhoeffer, der dieses Lied geschrieben hat, war einer, der im Widerstand gegen die Nazis gek\u00e4mpft \u2013 und mit seinem Leben daf\u00fcr bezahlt hat.\u00a0Sein Mut inspiriert uns noch heute.<\/p>\n<p>Danke, dass ihr da seid.\u00a0Danke, dass ihr laut seid.\u00a0Danke, dass ihr die Zukunft gestaltet.<\/p>\n<p>Ich bin sehr stolz auf euch und dankbar, heute dabei sein zu d\u00fcrfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte heute die Ehre in der Vormittagsvorstellung der Veranstaltung &#8222;Gegen das Vergessen&#8220; reden zu d\u00fcrfen. 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